aktiv-laufen / home
31.07.2010
Aktuelle Ausgabe
aktiv laufen 4-2010
Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel, es weht eine sanfte Brise. Im Sommer macht das Laufen eigentlich doppelt Spaß. Aber Hitze und Sonne können auch Probleme bereiten. Trinke ich genug? Trage ich die optimale Laufkleidung? In der neuen aktiv laufen erfahren Sie alles, was Sie über Training, Ernährung und Bekleidung bei Hitze wissen sollten.
Laufkalender
Der Laufkalender 2010
Alle wichtigen Laufveran-
staltungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
.
EQUIPMENT

Emanzipation der Füße - Frauen-Laufstudie

Immer mehr Frauen entdecken das Laufen für sich. Neuesten Statistiken zufolge beträgt der Anteil laufender Frauen europaweit 40 Prozent, was durch über 10.000 Teilnehmerinnen bei Frauenläufen jüngst in Berlin, Bern oder in Österreich dokumentiert wird. Bereits seit den 70er Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft mit Laufschuhen. Bisher beschränkten sich die meisten Untersuchungen fast ausschließlich auf den Männerfuß. Mittlerweile hat aber nicht nur die Laufschuhindustrie die Frau als Kundin entdeckt, sie ist auch ins wissenschaftliche Blickfeld gerückt.

 

Der kleine Unterschied: Frauenfüße
sind im Vergleich zu Männerfüßen
schmaler und flacher

 

Tübinger Laufstudie
Welche Kriterien muss ein Frauenlaufschuh erfüllen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Biomechanik-Abteilung der Sportmedizin an der Uni Tübingen in einer mehrjährigen Studie.
Über 1.800 Füße von Frauen und Männern wurden am Institut von Professor Thomas Horstmann, der bereits als Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart gearbeitet hat, untersucht. Der Fokus war dabei auf orthopädische Diagnostik, Beurteilung der Achs- und Beweglichkeitsverhältnisse sowie die Erfassung verschiedener Trainingsparameter gerichtet. "Wir haben nach eigenen Zielen und Schwerpunkten geforscht", betonte Horstmann bei der gemeinsamen Präsentation der Untersuchungsergebnisse sowie der neuen Frauen-Laufschuhe von Nike, "es war trotz der Kooperation mit dem Hersteller keine Auftragsforschung."

Einfach beweglicher
Laut den orthopädische Untersuchungen sind Frauen insgesamt beweglicher, haben flexiblere Bänder und knicken beim Laufen das Becken stärker nach innen ab als Männer. Außerdem haben 60 Prozent der Frauen sehr bewegliche Kniescheiben. Bemerkenswert unter den Trainingsaspekten ist die Tatsache, dass Frauen ein geringeres Trainingsalter aufweisen, dass sie längst nicht so lange und altersmäßig früh trainieren. "Dies ist deshalb bedeutsam, weil je jünger trainiert wird, desto eher tauchen Verletzungen auf", so Stefan Grau.

Zeigt her Eure Füße
Frauenfüße sind im Vergleich zu Männerfüßen schmaler und flacher. Die Fußproportionen in Abhängigkeit von der Fußgröße zeigen dagegen keinen geschlechtsspezifischen Unterschied: bei beiden Geschlechtern sind kleinere Füße voluminös und längere Füße eher flach und schmal. Die weibliche Ferse ist schmaler, der Mittelfuß ist schlanker und die Zehen sind länger als beim Mann. Zudem tritt bei Frauen häufiger die X-Beinstellung auf. Interessante Ergebnisse liefern die biomechanischen Untersuchungen. So zeigen Frauen in allen beim Laufen relevanten Gelenken (Fuß, Knie und Hüfte) eine stärkere Beugung. "Tübingen ist weltweit das einzige Institut für biomechanische Forschungen dieser Art", betont Dr. Stefan Grau die Bedeutung der Studie. Auch aus diesem Grund ist die Umsetzung der Erkenntnisse in Frauen-Laufschuhen interessant.

Konsequenzen der Studie
Frauen-Laufschuhe sollten wegen der erhöhten Beweglichkeit flexibel und leicht sein. Die Flexibilität wird durch zusätzliche Kerben im Vorfuß und eine dünnere Zwischensohle erreicht. Weil Frauen durch stärke Beugung in den Gelenken eine höhere Eigendämpfung erreichen (die möglicherweise aus energetischen Gründen ungünstiger ist), kann die Dämpfung des Schuhs und damit der Materialaufwand reduziert werden.
Mittelfußstrap und ein Haltebügel sollen die Stabilität verbessern. Mit einem spezifischen Leisten (schmalerer und weniger voluminöser Mittelfußbereich, Fersenkappe) wird die Einbindung des schmalen Fersenbeins günstiger. Durch ein anpassungsfähiges Obermaterial im Ballenbereich will man die Passform auf die Bedürfnisse optimieren. Nike hat in drei Modellen (Air Zoom Elite III, Zoom Percept, Vomero) die neuen Erkenntnisse eingearbeitet.
Dies ist nach Überzeugung der Tübinger Sportmediziner jedoch erst ein Schritt einer Weiterntwicklung angefangener Technologien. "Wir wollen in Zukunft Flexibilität, Passform und Stabilität weiter verbessern", so Grau. "Vor allem für extrem große und kleinere Füße (Randgrößen) gibt es Untersuchungsbedarf."


Zurück