
Antalya-Marathon - Ein Hauch Las Vegas
Sonntagmorgen, kurz nach sechs. Die aufgehende Sonne spiegelt sich im Meer, es weht eine sanfte Brise, das Thermometer zeigt 14 Grad. Noch zwei Stunden, dann fällt der Startschuss zum Internationalen ÖGER Antalya Marathon. Ein Grund, warum auch Sandra Peters den Weg in die siebtgrößte Stadt der Türkei gefunden hat. Die junge Frau aus Brühl wagt sich zum fünften Mal an die 42,195 Kilometer-Distanz. Doch schon vor dem Startschuss liegen erlebnisreiche Tage hinter der 27-Jährigen: Historische Felsengräber, urige Basare und die versunkene Stadt, eine faszinierende Unterwasserlandschaft vor der Insel Kekova, wo Fundamente alter Hafenanlagen unter der kristallkaren Mee¬resoberfläche blitzen - die Gegend rund um Antalya ist einfach zu reizvoll, um sich konzentriert auf einen Lauf vorzubereiten. Aber Sandra Peters bereut nichts - auch wenn ihr die Tagestour entlang des Lykischen Pfades, einem mehr als 500 Kilometer langen Wanderweg entlang der Küste des alten Lykiens, noch mächtig in den Beinen steckt. Dabeisein, genießen, ankommen - so das Motto der jungen Deutschen.
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Beim Antalya-Marathon wollen alle dabei sein.
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Mediterranes Flair
Schon auf dem Weg zum Start ist die medi¬terrane Atmosphäre der Stadt zu spüren. Gewöhnlich sind die Straßen Antalyas um diese Uhrzeit verlassen. Heute aber herrscht hektisches Treiben. Kleine Teestuben öffnen ihre Pforten, immer wieder fahren Busse mit ganzen Läuferscharen die Palmenallee entlang, in unmittelbarer Nähe zum Start¬bereich flaniert die Straßenbahn auf und ab - im Look des Laufevents versteht sich.
Am Fuße des Atatürk-Stadions haben sich bereits viele Zuschauer versammelt, in den Umkleidekabinen herrscht reger Betrieb. Sandra Peters stürzt sich in das Getümmel. Um sie herum viele einheimische Läufer, eingehüllt in simple Baumwoll-Shirts. Die sportliche Fortbewegung auf zwei Beinen ist nicht gerade eine traditionelle Leidenschaft der Türken. Aber Gelegenheit schafft Läufer, sie alle wollen dabei sein. Je näher der Start rückt, desto enger und ungemütlicher wird es in den vorderen Reihen. Startzonen gibt es keine. Wer zuerst kommt mahlt zuerst, lautet die Devi¬se. Sandra Peters blickt sich verwundert um. So weit vorne hat sie noch bei keinem Marathon gestanden. Eine Mischung aus Nervosität, Konzentration und Vorfreude liegt in der Luft. Dann wird die National¬hymne angekündigt. Plötzlich ist alles still. Die Türken stehen stramm, alle anderen lau-schen respektvoll den Klängen bis der letzte Akkord verstummt.
Traumhafte Kulisse
Als endlich der Startschuss ertönt, gibt es für viele heißblütige Südländer kein Halten mehr. Sie rasen los, als ginge es um einen 100 Meter Sprint und nicht um einen Langstreckenlauf. Sandra Peters lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, versucht ihren Rhythmus zu finden. Das Feld sortiert sich. Nach drei Kilometern kehrt Ruhe ein. Wenig später erreichen die ersten Läufer die Steilküste mit einem wunderschönen Ausblick auf das Mittelmeer und die Bucht von Antalya. Die schneebedeckten Gipfel des Taurusgebirges sind leider nur schemenhaft im Dunst zu erkennen, immer mehr Wolken haben sich vor die Sonne geschoben.
Die komplett gesperrte Straße führt an der Küste entlang. Links ragt ein Hoch¬haus neben dem anderen in den Himmel, rechts sind Parks mit Palmen, Zitronenbäu-men und blühenden Sträuchern, dahinter das blaue Meer. Einheimische gehen spazieren, walken oder joggen. Sandra Peters erntet bewundernde Blicke, manchmal gibt es einen Gruß und Applaus. Plötzlich zieht ein anschwellendes Rauschen aus der Ferne die Aufmerksamkeit auf sich. Bei einem kleinen Park stürzt der Fluss Düden als breiter Wasserfall über die Steilküste ins Meer. Sehen können die Läufer ihn nicht, aber das Geräusch der Wassermassen begleitet sie noch eine ganze Weile.
War die Strecke bisher wellig, geht es jetzt ordentlich abwärts. Unten angelangt, liegt in einer Linkskurve die Wende des Halbmarathons. Für die Marathonis folgt eine visuelle Durststrecke. Das Meer ist nicht mehr zu sehen. Rechts liegt Brachland, umgeben von Kiefern- und Zedernwäldern. Links wächst ein Wohnturm neben dem anderen aus dem Boden. Baulärm dröhnt. Anstelle von Zuschauern steht hier und dort lediglich ein Gendarm am Straßenrand, um die Strecke abzusichern.
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Ein großer Teil der Strecke führt an den
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Laufend durch „Las Vegas"
Lebendig wird es erst wieder ab Kilometer 16. In Kundu, der aufstrebenden Luxus-Touristenregion der Türkischen Riviera, reiht sich ein Nobelhotel an das andere. Sie alle verkörpern ein Thema. Das Topkapi ist dem Sultanspalast in Istanbul nachempfunden, im Concorde erkennt man das legendäre Flugzeug, das Titanic ist ein Abbild des Katastrophendampfers und beim Kremlin standen Kreml-Palast und Basilus-Kathedrale Pate. Eine skurrile Szenerie, die ein wenig an Las Vegas erinnert. Vor den Hotels säumen Touristen die Strecke. In Dreierreihen stehend, feuern sie die Läufer an, trommeln und klatschen. Balsam auf die Läuferseele, nachdem die letzten Kilometer doch recht einsam waren.
Wendepunkt am Top-Hotel
Die nächste Neueröffnung im Nobelviertel wird das Istanbul sein, das teuerste Hotel Antalyas. Genau vor der Baustelle des mit viel Prunk und Kitsch versehenen Gebäudes von Russen-Milliardär Abramowitsch ist der Wendepunkt für die Marathonläufer. Jetzt das gleiche noch einmal - nur anders herum. Vor dem Sherwood Breezes feuern noch immer Robin Hood und ein paar Trommler die Marathonis an, an der nächsten Verpflegungstation sind es weiß geschminkte Gestalten mit barocken Kostümen und Trillerpfeifen.
Dem Trubel den Rücken gekehrt, geht es zurück in die Einöde. Während der kenia-nische Marathonsieger längst im Ziel ist, hat der Großteil der Läufer noch einige Kilometer vor sich. Auch Sandra Peters. Die Beine der 27-Jährigen werden langsam schwer. Bei Kilometer 28 parkt ein Schulbus am Straßenrand. Kinder in Uniform springen heraus, klatschen und rufen laut - das gibt Auftrieb. Und der kommt für den folgenden Anstieg bei Kilometer 30 gerade recht. Oben angekommen, führt der Weg wieder direkt an die Steilküste. Der Blick auf das Meer ist einmalig, wenn auch ein wenig duster. Der Himmel ist wolkenverhangen, die kühle Brise aber tut gut.
Glücklich ins Ziel
Es wird wieder voller an der Strecke. Die gepflegten Parkanlagen sind gut besucht, zahlreiche Menschen säumen den Kurs. Sandra Peters beginnt, die Kilometer rück-wärts zu zählen. Bei Kilometer 40 passiert die junge Deutsche ihr Hotel. Ein sehnsüchtiger Blick, aber vom Ziel ist noch nichts zu sehen. Noch ein, zwei leichte Anstiege sind zu meistern, dann kommt das Stadion in Sicht. Im Rund des Fußball-Erstligisten Antalyaspor warten enthusiastische Zuschauer, die den letzten Metern einen würdigen Rahmen verleihen, auf dem Rasen strecken müde Läufer ihre Beine von sich und genießen die Atmosphäre. Sandra Peters biegt ins Stadion ein. Jetzt muss sie nur noch eine halbe Runde auf der Aschenbahn überstehen. Schon Meter vor dem Ziel reißt die junge Deutsche die Arme in die Luft. Nach 3:45:33 Stunden hat sie es geschafft. Und sie ist geschafft. Aber glücklich.
Termin 2009: 8. März
Info: http://www.oeger-marathon.com/index.php
Text: Laura Kathrein Müller
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