
Gipfelsturm mit Gehpausen: Der Drei Zinnen Alpin Lauf
Gehen, genau! Das ist doch auch schon anstrengend genug. Warum muss man denn 1.350 Höhenmeter laufend bewältigen? Schon gleich zu Beginn rächen sich die fehlenden Trainingskilometer. Kurz nach dem Start ziehen gefühlte tausend Teilnehmer in kürzester Zeit an mir vorbei. Auf den ersten sieben Kilometern ist die Strecke noch nicht so steil, dass sie viele Läufer zum Gehen zwingt. Ich hoffe inständig, dass es bald richtig steil hochgeht - dann wäre ich nicht der einzige, der schon gehen muss... Zu verdanken habe ich das Stefan Tschurtschenthaler und seiner Clique. Denen war es irgendwann zu langweilig, immer nur zur Drei Zinnen Hütte zu wandern. Also kamen sie auf die Idee, ein Lauf-Event ins Leben zu rufen. 1998 standen 250 Teilnehmer in Sexten am Start zum „1. Südtirol Drei Zinnen Alpin Lauf". 2007, bei der zehnten Auflage, war die Startplatzlimitierung von tausend Teilnehmern erreicht.
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Die 1.350 Höhenmeter gehen den Teilnehmern beim
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Es ist steil! Richtig steil!
Von denen scheinen mindestens 900 vor mir den siebten Kilometer zu erreichen. Hier wird‘s endlich steil. Bis zur Büllelejochhütte sind‘s 1.000 Höhenmeter. Ich scheine das Gemsen-Gen zu haben. Ich werde schneller - zumindest bilde ich mir das ein, während ich gehend sogar einige Läufer überhole. Meine Stimmung steigt mit jedem Höhenmeter, den ich zurücklege. Ich werde euphorisch und freue mich auf das Ziel. Dort wartet auf mich einer von tausend Kleidersäcken mit warmer Kleidung. Der Service gegen das Frieren in der Höhe, ist für die Organisatoren um Tourismuschef Alfred Prenn ein logistisches Problem. Wie lassen sich tausend Kleidersäcke so schnell auf den Berg transportieren, dass sie vor den ersten Läufern da sind? Mit Hubschraubern. „Oben müssen die Säcke dann noch sortiert werden, was noch einmal viel Zeit in Anspruch nimmt", sagt Prenn.
Gehöre ich wirklich hierher?
Ich bin zum ersten Mal bei einem reinen Berglauf dabei. Was für mich prickelnde Premiere ist, ist für andere reine Routine. 21 Athletinnen und Athleten haben bislang noch keinen „Drei Zinnen Lauf" verpasst. Mich beschlich zwar vor dem Start das Gefühl, dass ich nicht hierher gehöre. Die Zweifel habe ich aber beiseite geschoben, indem ich mir eingeredet habe, 17,5 Kilometer müssten doch zu schaffen sein. Ich hatte erfolgreich verdrängt, dass ich im Sommer trainingsfaul war und auf den „nur" 17,5 Kilometern 1.350 Höhenmeter gemeistert werden müssen: Vom Start in Sexten (1.310 m NN) durch Moos ins Fischleintal hinein, an der Talschlusshütte (1.548 m) vorbei zur Zsigmondyhütte (2.224 m), zum höchsten Punkt, der Büllelejochhütte (2.528 m), bis zur Drei Zinnen Hütte auf 2.405 Metern. Zwischen Kilometer zehn und elf taucht plötzlich ein flaches Teilstück auf, und ich beschließe, zu laufen. Böser Fehler! Beim zweiten Schritt trifft mich ein Schlag in die linke Wade. Es haut mich hin. Ein Krampf! Zappelnd liege ich am Hang und versuche, den Krampf rauszudrücken. Die Läufer, die ich eben noch überholt habe, ziehen wieder an mir vorbei. Ein Wanderer kommt mir zur Hilfe und drückt meinen Fuß. Der Krampf entspannt sich. In meiner Trikottasche habe ich ein Beutelchen Salz, das ich gierig verschlinge und mit Flüssigkeit aus einer Trinkflasche herunterspüle. Nach einigen Minuten stehe ich vorsichtig auf und humple trinkend weiter. An der Zsigmondyhütte hole ich mir noch mehr Salz und fülle meine Flasche mit Enervit auf. Das rettet mich! Bis zur Büllelejochhütte kann ich etliche Plätze gutmachen und habe so viel getrunken, dass die Wade wieder halbwegs hergestellt ist.
850 Läufer kamen ins Ziel
Die letzten drei Kilometer geht es oberhalb der Bödenseen parallel zum Hang. Ich kann wieder etwas laufen und sogar schon die Lautsprecher vom Ziel hören. Die Dramaturgie des Laufs könnte perfekter nicht sein. Erst mit dem letzten Mini-Anstieg und einer weiteren Kurve in den Zielbereich tauchen die Drei Zinnen in ihrer vollen Pracht auf. Geschafft! Meine Zeit ist 3:08:37. Der Sieger, Antonio Molinari, war zwar schon nach 1:28:54 im Ziel, dafür habe ich mehr von der Landschaft genossen - das kann mir keiner nehmen. 850 Läufer kamen ins Ziel. „Das ist ein voller Erfolg", schwärmte Alfred Prenn, und bedauerte es kein bisschen, dass der Streckenrekord, der seit 2001 vom Neuseeländer Jonathan Wyatt mit 1:19:58 gehalten wird, nicht geknackt werden konnte, „dafür war es zu warm." Die nächste Chance, den Rekord zu brechen, gibt es am 14. September bei der elften Auflage des Drei Zinnen Laufs. Und vielleicht sind dann auch weniger Gehpausen nötig...
Infos: www.dreizinnenmarathon.com
Text: Ralf-Stefan Beppler
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