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06.02.2012
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EVENTS

Mallorca-Marathon: Mehr als 42,195 Kilometer

 

Der Mallorca-Marathon wird immer beliebter: 2008
machten sich 1.223 Marathonis auf die
Strecke, knapp 2.500 Läufer stellten sich
den Herausforderungen der Halbmarathon-Distanz

 

Marathon auf Mallorca? Nur zu, haben wir uns gedacht. Es gibt viele Gründe, im Herbst mal nicht auf Berlin, Köln oder Frankfurt zu setzen. Gute Flugverbindungen, kurze Flugstrecke, kein Jetlag, und Sprachprobleme kann es auch nicht geben: Die Organisation des TUI Marathon Palma de Mallorca liegt in deutscher Hand. Der beste Grund für eine Teilnahme am Insel-Marathon aber ist Mallorca selbst. Denn es gibt ein Mallorca abseits von Ballermann und Touristeninvasion. Dieses Mallorca haben wir in der Woche nach dem Marathon ausgiebig erkundet - viel Laufen konnten und wollten wir nicht, die 42,195 Kilometer steckten noch in den Knochen. Gerade zur Regeneration nach dem Marathon ist Mallorca mit seinem milden Oktober ideal geeignet. Tagsüber ist es meistens über 20 Grad warm und das Wasser hat noch Badetemperatur.

Erholung im Museumszug
Am Tag nach dem Rennen laufen wir nicht, wir fahren und halten die Füße still. Die kurze Reise mit dem Tren de Sóller ist zwar nicht gerade ein Geheimtipp; die Bahn bringt jährlich eine Million Touristen von Palma nach Sóller und wieder zurück. Aber es ist eine gute Gelegenheit zum Relaxen und Genießen. Und Juan Salvia Roig zuzuhören. Der Mechaniker, der seit 40 Jahren für den Zug zuständig ist, erzählt mit leuchtenden Augen von seiner Arbeit. „Diese Firma ist wie ein Museum", sagt der 54-Jährige. Juan Salvia Roig ist die beste Werbung für den Tren de Sóller, doch bislang hat die Bahn, deren Anteilseigner die Einwohner Sóllers sind, Werbung nicht mal nötig. Der Zug wirkt wie ein Überbleibsel aus vergangener Zeit. Es rumpelt und schnauft unaufhörlich. Die Fahrt führt über Schafweiden, durch Olivenhaine und Blumenwiesen, über das Tramuntanagebirge und zum Schluss durch Orangen- und Zitronenplantagen. Für einen Spaziergang durch Sóller haben wir aber noch Zeit und Kraft, bevor die Fahrt zurück nach Palma geht.
Dort herrscht ganz anderes Flair als in dem rund 10.000 Einwohner zählenden Sóller. Kosmopolitisch und selbstbewusst, dabei kein bisschen touristisch, präsentiert sich Mallorcas Hauptstadt seinen Gästen. Hier leben mehr als 400.000 Einwohner, das ist mehr als die Hälfte aller Bewohner Mallorcas. Und so lebendig geht es in der Stadt auch zu. Boulevards, Geschäftsviertel, enge, versteckte Gassen voll exklusiver Designerläden, geschichtsträchtige Denkmäler und Bauwerke, friedvolle Innenhöfe, mittelalterliche Straßen, ein riesiger Sporthafen, Stadtstrand und über 2000-jährige Geschichte.

 

 Das Rauschen des Meeres im Ohr, die Bucht
von Palma im Blick: Der Mallorca-Marathon
hat sein ganz eigenes Flair

 

Im Aufwärtstrend
Wir sind froh, das alles in der Woche nach dem Marathon ausgiebig erforschen zu können - beim Rennen flogen die historischen Bauten, die Kathedrale in der Altstadt, der Hafen mit seinen millionenschweren Jachten und die Strände auf dem Weg zum Wendepunkt in S'Arenal viel zu schnell vorbei. Der Wechsel zwischen den engen Gassen Palmas und dem Lauf entlang des Meers macht den Reiz des TUI Marathon Palma de Mallorca aus, von dem sich Jahr für Jahr mehr Läufer anlocken lassen. 6.310 Meldungen aus 50 Nationen konnte Veranstalter TUI bei der fünften Auflage im vergangenen Oktober registrieren. 1.223 liefen den Marathon und 2.463 den Halbmarathon. Beim Zehn-Kilometer-Lauf gingen 1.124 Hobbyläufer an den Start. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten die Veranstalter damit einen Zuwachs von 20 Prozent.
Am Abend vor dem Rennen haben wir den Kindern in Palma beim Rennen zugeschaut. Einfach süß, wie die Kleinsten, kaum dass sie laufen können, schon auf die 500 Meter gehen. Ab vier Jahren war Mitrennen erlaubt. Nachdem das letzte der insgesamt 1.500 Kinder im Ziel des Kids Run war, sind wir zum ältesten Café Palmas geschlendert, um vor dem Abendessen noch eine Mandelmilch zu genießen. Das ist die Spezialität im Ca'n Joan de S'aigo, das es seit dem Jahr 1700 gibt. Es ist ein echtes Schmuckstück. Dennoch sind hier weniger Touristen als Einheimische. Für ältere mallorquinische Damen ist es der perfekte Platz für den Kaffeeklatsch. Im Sommer ist das Eis beliebt, das in großen Wassergläsern serviert wird. Im Winter trinkt man hier heiße Schokolade. Köstlich sind auch die hausgemachten Kuchen. Der Clou: günstig ist es auch noch! Zum Abendessen sind Tapas eigentlich obligatorisch - aber das verschieben wir auf die Woche nach dem Rennen. Schließlich gilt es die Kohlenhydratspeicher zu füllen, und in Palma gibt es genügend Restaurants, die gute Pasta servieren. Tapas gibt es in Palma auch an jeder Ecke: Die günstige - aber dennoch leckere Variante - gibt es im Lizaran. Für gehobene Ansprüche eignet sich beispielsweise das Tast.

 Der Marathon führt an vielen Sehenswürdigkeiten
der bliebten Ferieninsel vorbei. Hier passieren die
Läufer die Kathedrale "La Seu"

 

Belohnung für alle Sinne
Am Abend nach dem Rennen entspannen wir uns zunächst im Puro Beach Club. Hier kann man die Seele baumeln lassen. Die im Zen-Stil gestalteten Räumlichkeiten und der weiße Außenbereich mit marokkanischen Schirmen sind genau der richtige Ort für die Erholung nach dem Marathon, bevor wir zum Abendessen aufbrechen. Eine wahre Belohnung für alle Sinne ist das Dinner in Portixol, der neuen In-Gegend Mallorcas. Früher als Zigeunergegend verpönt, ist der Vorort Palmas nun Heimat der hippen Szene. In Palmas Trendviertel geht es dennoch ruhig zu. Verschiedene Kulturen und Lebensformen mischen sich hier zu einer entspannten Atmosphäre. Die neue 16 Kilometer lange Strandpromenade verbindet Ciutat Jardi, Es Molinar und Portixol mit Palmas Innenstadt. Mittlerweile haben sich die Designer-Hotels „Portixol", „Playa Azul" und „Portofino" angesiedelt, ein Restaurant sieht einladender aus als das nächste. Beliebte Location ist das Rocamar an der Calle Joaquin Fuster oder das nicht weniger originelle Gusto, direkt über dem Rocamar. Wir entscheiden uns für ein Abendessen im Hotel Portixol. Der Romantik wegen. Beleuchteter Pool, Blick auf den Hafen und exquisite Küche: viel besser geht nicht.

Mallorca bei Nacht
Zum Partymachen gehen die Mallorquiner sicher nicht an den Ballermann. Wir schon. Von Portixol geht‘s weiter nach S‘Arenal, wo längst heftig und vor allem sehr deutsch gefeiert wird. Uns interessiert einfach, wie Jürgen Drews die 21,1 Kilometer weggesteckt hat, die er am Vormittag zusammen mit Hajo Schumacher alias Achim Achilles, dem Kult-Autor von „spiegel online" in gut zweieinhalb Stunden zurückgelegt hat. Gegen zwei Uhr in der Nacht ist es in der Großraumdisco Mega Park soweit. Jürgen Drews betritt gut erholt die Bühne, singt, tanzt und begeistert die meist schon tüchtig angetrunkenen Gäste. Wir müssen zugeben, dass dem selbst ernannten „König von Mallorca" das Tanzen trotz seiner mehr als 60 Jahre leichter fällt als uns. Wir stehen nur da und staunen. Unser Muskelkater lässt Tanzen erst ein paar Tage später wieder zu und wir bevorzugen die auch unter den Spaniern angesagten Clubs der Insel. Die besten finden wir in der Ca'n Barbara Bucht: Das „Garito", das „113", „Mosquito" oder den „Virtual Club" in Illetas. Interessant ist die Cocktailbar Marchica in der Nähe des Shoppingcenters Porto Pi. Das Design der Bar ist auf der gesamten Insel einzigartig.

Süße Sünden
Als Trendort unter Künstlern aus aller Welt galt früher Deiá, im Nordwesten der Insel. Uns hat dort der Lunch im Es Punt am besten gefallen. Die perfekte Vitaminzufuhr gibt es beim gemischten Salat mit Ziegenkäse, Nüssen und Äpfeln oder dem Baguette mit Avocado, Tomate, Eiern, Salat und Karotten. Besonderes Highlight sind allerdings die frisch gepressten Obstsäfte. Ob Karotte und grüner Apfel oder Melone, hier wird wirklich frisch gepresst. Sündhaft für Läufer hingegen wird es im Café „Sa Botiga" in Santanyi, im Süden Mallorcas. Heike und Michael Nilkens haben sich hier einen Traum erfüllt. Vor drei Jahren zogen sie zusammen mit den beiden Söhnen von Deutschland nach Mallorca und ihr Café ist ein echter Glücksgriff. Nicht nur für Familie Nilkens, denn ganz Santayni profitiert von dem einzigartigen Flair. Heikes Pfannkuchen sind göttlich und ihr Frühstücksbuffet eine Wucht. Nicht selten sitzt hier Fernsehkoch Tim Mälzer. Für Heike natürlich ein Kompliment: „Also wenn der nicht weiß, was gute Küche ist..." Die Nilkens sind immer bereit für einen Tipp. Sie wissen, wo die schönsten Buchten sind und vermieten obendrein noch eine der urigsten Ferienwohnungen Mallorcas: In der Fischersiedlung Cala Figuera liegt ihre Ferienwohnung direkt am Meer, inklusive Bootsgarage. Ein echter Traum - und ein Schnäppchen, aber meist schon ein Jahr im Voraus ausgebucht. Die schönsten Buchten Mallorcas finden wir im Südosten. Wer wie wir auf Liegestühle, Sonnenschirme und die üblichen Wassersportangebote verzichten kann, sollte sich die Buchten Caló d'es Moro, Cala S'Amonia oder Cala S'Amarador ansehen. Ein wahrlich anderes Mallorca als der Ballermann. Ebenfalls niedlich und mit etwas mehr Infrastruktur: die Cala Sa Nau in der Nähe von Portocolom.

 

 Jahr für Jahr absolvieren auch verschiedene
Promis die Strecke auf der Baleareninsel.
2008 waren unter anderem Jürgen Drews (r.)
und Hajo Schuhmacher mit von der Partie

 

Oase im Norden
Auch im Norden der Insel gibt es mit Cala Torta, Cala Mesquida und Cala Agulla schöne Strände, aber das Schönste am Norden ist ein Geheimnis: In Sa Bassa Blanca, der „weißen Lagune" bei Alcúdia liegt die Fundacio Jakober. Die Stiftung der beiden Bildhauer und Kunstsammler Ben und Yannick Jakober, an der Nordspitze Mallorcas gelegen, ist Ausstellungshaus, architektonisches Kunstwerk, spanisches Kulturerbe, traumhafter Garten, Oase der Ruhe und Kinderspielplatz in einem. Ein wahrhaft spiritueller Ort, der dem Begriff Paradies schon sehr nahe kommt - genau das Richtige für das Relaxen nach dem Marathon. Hier sind selbst wir Kunstbanausen beeindruckt.
Kurz vor dem Heimflug denken wir an die lieben Daheimgebliebenen, die sich beim Laufen in Deutschland schon durch Sturm und Regen plagen, während wir noch die spanische Herbstsonne genießen. Wir fahren zur Bodega Santa Catarina zwischen Andratx und Es Capdellà im Süden Mallorcas. In dem dekorativen Kellergewölbe, das in einen Hügel hineingebaut wurde, lagern rund 30.000 „botellas" Wein. Das geschäftsführende deutsche Geschwisterpaar Lena-Luiza (27) und Gabriel Hertle (30) ist ebenso reizend wie kompetent. Zehn eigene Weine hat Santa Catarina auf dem Markt: ein perfektes Mitbringsel. Und das gibt es auch nicht in Berlin, Frankfurt oder Köln.

Infos: www.tui-marathon.com

Text: Christian Ermert/Christine Eisenbeis


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