
Kochen mit „Mocki“: Faible für Fisch
In Tights und Funktionsshirt erkennt sie jeder. Eingehüllt in eine Kochschürze bringt erst der zweite Blick Gewissheit. Es ist tatsächlich Sabrina Mockenhaupt, die da in der Küche des Gourmet-Restaurants „Français“ in Frankfurt steht. Ihre Laufschuhe hat Deutschlands erfolgreichste Langstreckenläuferin heute zu Hause gelassen, ihre unverkennbar lockere und freundliche Art aber hat sie nicht abgelegt. Dabei ist der Platz hinterm Herd nicht gerade ein Ort, den „Mocki“ favorisiert. „Ich koche sehr selten“, sagt die 29-Jährige. „Das lässt mein Zeitplan leider nicht zu. Aber mehr als 80 Prozent meines Lebens drehen sich um das Laufen. Dazu gehört natürlich auch, dass ich sehr bewusst esse.“
Die Chemie stimmt auf Anhieb
In Frankfurt trifft die Siegerländerin auf Patrick Bittner. Die Chemie stimmt sofort. Kein Wunder, hat der großgewachsene Sternekoch neben seiner Passion für die Gourmetküche noch eine andere große Leidenschaft: das Laufen! Rund 25 Kilometer rennt der 38-Jährige jeden Morgen, bevor er um 8 Uhr frisch geduscht in seiner Küche steht. Und damit nicht genug: In der Mittagspause zieht er im nahegelegenen Schwimmbad seine Bahnen. Der Sport ist für Patrick Bittner einfach der perfekte Ausgleich zu seinem 12 bis 14 Stunden-Tag. „Das ist für mich Erholung pur, vor allem für den Kopf“, sagt der aktive Triathlet, für den auch eine Marathonbestzeit von 2:48 Stunden geführt wird.
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Gemeinsame am Herd: Top-Läuferin Sabrina Mockenhaupt (r.)
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18 Punkte im Gault Millau
Patrick Bittner besitzt die für einen Ausdauersportler nötige eiserne Disziplin. Eine Eigenschaft, die er auch in seinem Berufsleben an den Tag legt. Der Lohn: Eine Koch-Karriere wie aus dem Bilderbuch. 1971 im westfälischen Stadtlohn geboren, hat Bittner mit seinem Beruf viele seiner Interessen vereint: Als Schüler war er ein begeisterter Hobbymaler und fand die Vorstellung verlockend, Gerichte auf Tellern kunstvoll anzurichten. Die Ausbildung zum Koch im Burghotel Hardenberg bei Göttingen war die logische Folge. Ein Streifzug durch einige der besten Küchen Deutschlands schloss mit der Meisterprüfung in der Hotelfachschule Heidelberg ab.
Mehr Fisch, weniger Fleisch
Im Februar 2000 trat Patrick Bittner seine erste Stelle als Küchenchef im Steigenberger Frankfurter Hof an. Und schon kurz darauf kürte ihn das Magazin „Der Feinschmecker“ zum Aufsteiger des Jahres 2001. Seine Küche, die er selbst als aromenstark und leicht beschreibt, ist als puristisch bekannt und brilliert durch die Reduktion und Konzentration auf das Wesentliche – klar, modern, basierend auf der klassischen, französischen Küche. Die passende Bühne, seine Kreationen in Szene zu setzen, findet Bittner heute im 2006 komplett renovierten Gourmet-Restaurant „Français“. Mit Erfolg: Seit 2008 schmückt den Chefkoch ein Michelin-Stern und gerade hat er 18 von 20 möglichen Punkten im Gault Millau, der französischen Gourmetbibel, bekommen. Das ist einer mehr als noch im Jahr zuvor. Bretonischer Langostino mit Fenchel, Pinienkernen und Aprikosen heißt das erste Rezept des Drei-Gang-Menüs, das Patrick Bittner gemeinsam mit Sabrina Mockenhaupt zubereiten möchte. Beide haben ein Faible für Fischgerichte, so waren sie sich schnell einig. „Wir haben uns bewusst für eine sehr leichte und gesunde Küche entschieden“, erzählt Bittner von seinem Telefonat mit „Mocki“ am Tag zuvor. „Und Fisch ist nicht nur gesund, er lässt sich auch prima variieren.“
„Mocki“ packt mit an
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Der bretonische Langostino wir mit etwas Olivenöl und Thymian
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Nachdem Sabrina Mockenhaupt und Patrick Bittner auch das Bauernhuhn auf Schnittlauchpüree, Wurzelgemüse und Cranberry zubereitet und genossen haben und auch die Ananas aus Südafrika mit Minzsirup und Ingwereis geschmeckt hat, ist das Abenteuer in der Sterneküche für „Mocki“ beendet. Natürlich wird sie das, was sie an diesem Vormittag von Patrick Bittner gelernt hat, nicht so oft am heimischen Herd umsetzen können. „Die Gourmetküche legt sehr großen Wert auf die Dekoration. Die Liebe zum Detail, mit der hier gearbeitet wird, ist sehr beeindruckend“, sagt die zweifache Marathonsiegerin, die besonders fasziniert, wie viele Dinge der Sternekoch gleichzeitig machen kann. „Bei mir dauert das alles viel länger.“ In einem Punkt aber sind sich Langstreckenläuferin und Sternekoch einig: Zu Hause kommt es weniger darauf an, etwas für das Auge zu kreieren – viel wichtiger ist die Qualität der Zutaten.
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