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06.02.2012
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RATGEBER
Medizin

Auf die sanfte Tour - Osteopathie und Chirotherapie

Wer sich beim Laufen harmlos den Fuß umknickt, der vergisst den Zwischenfall bald. Die Kopfschmerzen, die Jahre später auftreten, führt man wohl kaum mehr auf diesen Vorfall zurück. Dass aber schon eine scheinbar harmlose Verletzung an einem weit entfernten Ort im Körper später zu Problemen führen kann, davon geht die Osteopathie aus. Der Körper wird krank, wenn er mit schädigenden äußeren und inneren Einflüssen nicht mehr fertig werden kann. Zunächst wird nur die Funktion eines Organs gestört. Man fühlt sich unwohl. Später beeinflusst die funktionelle Störung auch die Organstruktur. Man wird krank.

 

Osteopathen können Läufern vor allem bei Verspannungen und Verletzungen des Skeletts
und der dazugehörigen Muskeln und Bänder
wieder auf die Beine helfen

 

Heilende Hände
Der amerikanische Arzt A.T. Still fand vor 130 Jahren heraus, dass der Körper Selbstheilungskräfte besitzt, die, wenn man sie entsprechend anregt, Krankheiten beheben können. Und er bemerkte, dass er diese Selbstheilungskräfte alleine durch den sanften Druck seiner Hände auslösen konnte.
Osteopathie ist Vorsorgemedizin. Mit hochsensiblen Händen erfühlen Osteopathen bereits feinste Funktionsstörungen im Körper. Sie können Läufern vor allem bei Verspannungen und Verletzungen des Skeletts und der dazugehörigen Muskeln und Bänder wieder auf die Beine helfen. Auch zum Beispiel bei Kiefergelenk- und Verdauungsproblemen sowie bei Tinnitus helfen Osteopathen.

Grenzen der Osteopathie
Die Osteopathie hat da ihre Grenzen, wo die Selbstheilungskräfte des Körpers nicht ausreichen, den Körper gesunden zu lassen. Bei schweren und/oder akuten Erkrankungen sollte immer ein Schulmediziner befragt werden. Möglicherweise bietet sich ja eine osteopathische Behandlung als Begleittherapie an. Denn die strukturellen Schäden, die nur schulmedizinisch zu behandeln sind, führen oft zu Ausgleichreaktionen des Körpers an anderer Stelle. Und auf diese wiederum kann ein Osteopath möglicherweise Einfluss nehmen.

Viele Schulmediziner akzeptieren inzwischen die Grundlagen der Osteopathie. Mit Skepsis betrachten sie aber, dass die Osteopathie davon ausgeht, dass sich die Schädelknochen gegeneinander bewegen können. Auch mit der These, dass sich die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit nach Meinung der Osteopathie in kleinen pulsierenden Bewegungen am ganzen Körper erspüren lässt, können sie sich nur schwerlich anfreunden.

Zentrum Wirbelsäule
Der Begriff Chiropraktik kommt aus dem Griechischen. Er bedeutet: mit der Hand behandeln. Viele Menschen sind von einer natürlichen Körperhaltung weit entfernt. Im Zentrum der Chiropraktik steht die gestörte Funktion der Wirbelsäule und deren Auswirkung auf das Nervensystem sowie auf den gesamten Körper.

Die Wirbelsäule besteht aus Knochen, Bändern, Muskulatur und Nerven. Sie übernimmt im Körper wichtige Aufgaben. Zum Beispiel hat sie eine Stütz- und Haltefunktion. Darüber hinaus schützt sie das Rückenmark vor Schäden. Außerdem ist sie der Ansatzpunkt für viele Muskeln und Bänder. Obwohl die Mobilität der einzelnen Wirbelgelenke sehr gering ist, ist die Wirbelsäule insgesamt sehr beweglich. Kommt es an einer Stelle zu einer Blockade, das heißt zu einer funktionellen Fehlstellung eines Wirbels, ist der natürliche Bewegungsspielraum eingeschränkt. Das kann krankmachende Folgen für den gesamten Organismus haben.

Blockaden lösen
Ist die genaue Position der Blockade lokalisiert, versucht der Chiropraktiker, die Beweglichkeit des Wirbels wieder herzustellen. Die Korrektur erfolgt durch einen spezifischen, schnellen Ruck. Neben der Wirbelsäule befasst sich die Chiropraktik auch mit dem Becken und den übrigen Gelenken. Mit der richtigen Technik ist die Kraft, die ein Chiropraktiker aufwenden muss, nur minimal.

Nach der erstmaligen chiropraktischen Behandlung muss zumindest eine Besserung zu spüren sein. Wie viele chiropraktische Sitzungen bis zur Gesundung nötig sind, ist aber im Einzelfall sehr unterschiedlich. Chronische Beschwerden erfordern oft Geduld. Muskeln und Bänder, die jahrelang eine Fehlstellung kompensieren mussten, ziehen zum Beispiel ein Gelenk immer wieder in die Fehlstellung zurück.

Akute Probleme sprechen häufig schneller auf eine chiropraktische Behandlung an. Während einer chiropraktischen Behandlung kann es manchmal auch ordentlich knacken. Durch den Impuls am Gelenk bilden sich kleine Gasbläschen aus Luft in der Gelenkflüssigkeit. Das Knacken entsteht, wenn sie zusammenfallen ein harmloser Vorgang. Neben dem Justieren der Gelenke steht dem Chiropraktor eine Fülle anderer chiropraktischer Behandlungsmethoden zur Verfügung, zum Beispiel Kälte- und Wärmeanwendungen, Ultraschall sowie gymnastische Übungen.

Therapeutensuche
Jeder ratsuchende Läufer kann einen Osteopathen oder einen Chiropraktor aufsuchen. Neben der reinen Chiropraktik gibt es heute auch die Sport-Chiropraktik. Bei der Suche nach einem geeigneten Therapeuten sollte man sich von den einschlägigen Fachverbänden helfen lassen. Die Berufsbezeichnungen sind nicht geschützt. Und die Behandlungen bergen durchaus auch Risiken. Eine Sitzung beim Osteopathen kostet zwischen 70 und 100 Euro und dauert zwischen 30 und 60 Minuten. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Behandlung nicht. Ob die Kosten einer chiropraktischen Behandlung von der Krankenkasse übernommen werden, muss im Einzelfall erfragt werden.


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