
Flexibles Gerüst: Das menschliche Skelett
Ohne Muskeln läuft nichts. Nur mit ihnen können wir unseren Körper in Bewegung bringen. Die Muskeln bestehen aus einem fleischigen Muskelbauch und schmalen Sehnen, mit denen sie am Skelett befestigt sind und den Muskelzug auf die Knochen übertragen. Durch das Wechselspiel von Zusammenziehen und Erschlaffen aktivieren die Muskeln die Gelenke und bringen so unser Knochengerüst zum Laufen. Die Muskeln bilden also den aktiven, die Knochen und Gelenke den passiven Teil des Bewegungsapparates.
200 resistente Körperteile
Etwa 200 einzelne Knochen das ist alles, was vom Menschen einige Zeit nach dessen Tod und bis zu 50 Jahre danach noch übrig bleibt. Länger überleben nur die Zähne. Diese beiden Strukturen stellen zugleich die festesten Baubestandteile des menschlichen Körpers dar. Ein Knochen setzt sich aus Knochenzellen (Osteozyten) und organisch verkalkter Knochensubstanz zusammen. Das Skelett bietet dem Körper aber nicht nur Stabilität, sondern schützt auch die inneren Organe vor Verletzungen und dient als Speicherraum für wichtige Mineralien, vor allem für Kalzium und Phosphat. Viele Körpergewebe brauchen Kalzium, um optimal arbeiten zu können. Deshalb findet ein ständiger Kalziumaustausch zwischen dem Blut als Transportmedium und den Knochen statt. Zudem werden im Inneren vieler Knochen Blutzellen hergestellt.
Leichtbauprinzip
Der menschliche Knochen erhält seine hohe Zug- und Druckfestigkeit durch seinen speziellen Aufbau. Sägt man einen langen Oberschenkelknochen der Länge nach durch, so erkennt man die verschiedenen Schichten. Außen wird der Knochen von der dicken gelblichen Knochenhaut (Periost) umgeben. Da im Periost neben Blutgefäßen auch Nerven verlaufen, ist er im Gegensatz zum Knochen selbst schmerzempfindlich. Die Knochenhaut schützt und ernährt den Knochen und bietet eine Ansatzstelle für Sehnen und Bänder. An die Knochenhaut schließt sich die Knochensubstanz (Kortikalis bzw. Kompakta) an. Die Dicke dieses dichten Knochengewebes variiert je nachdem, wie stark der Knochen beansprucht wird.
Den größten Raum des Knochens nehmen zarte Knochenbälkchen ein. Diese so genannte Spongiosa bildet ein schwammartiges Füllmaterial. Auch die Knochenbälkchen ordnen sich je nach funktionellen Erfordernissen an. Die einwirkenden Kräfte führen dazu, dass sich für jede Belastungsart genau die nötige Anzahl und Stärke an Knochenbälkchen verzweigen. Gerade durch dieses Leichtbauprinzip des Knocheninneren der Aufbau ist ähnlich dem eines Lastkrans mit möglichst wenig Material und einem Maximum an Leistung wird enorm viel Gewicht gespart. Alle Knochen des Menschen haben einen Anteil von etwa zehn Prozent am Körpergewicht und wiegen damit durchschnittlich nur rund sieben Kilogramm. Dies hat durchaus seinen Sinn. Wären sie nämlich schwerer, müsste die Muskulatur, die die Knochenteile gegeneinander bewegt, auch wesentlich ausgeprägter sein. Das würde unser Gewicht und damit zum Beispiel beim Laufen auch den Energieaufwand erhöhen.
![]() |
|
Das menschliche Skelett besteht aus 200 einzelnen Knochen
|
Vier Knochentypen
Mediziner teilen die Knochen des Menschen in vier Gruppen ein: Der bereits beschriebene Oberschenkelknochen zählt zu den langen Knochen beziehungsweise Röhrenknochen. Diese bestehen aus einem langen Mittelstück (Schaft, Diaphyse) und zwei verdickten Enden (Epiphysen). Zwischen der Dia- und Epiphyse liegt bei wachsenden Knochen die Wachstumsfuge (Metaphyse, Epiphysenfuge). Hier findet während des Wachstums die Verknöcherung statt:
Knorpel wird in Knochen umgewandelt. Die kurzen Knochen, zum Beispiel an der Hand und am Fuß, bestehen aus einer oberflächlichen Rindenschicht und einer darunter liegenden Spongiosa. Zu der Gruppe der lufthaltigen Knochen gehören die Oberkieferknochen, Sieb-, Keil- und Stirnbeine. Diese haben gemeinsam, dass sie einen mit Schleimhaut ausgekleideten lufthaltigen Hohlraum enthalten. Die platten Knochen des Brustbeins, Schädels, Hüftbeins und Schulterblatts gehören zum so genannten myeloischen System. Hier werden jeden Tag bis zu fünf Milliarden Blutzellen gebildet. Bricht einer dieser Knochen, wird deshalb häufig viel Blut verloren.
Ständiger Umbau
Während des gesamten Lebens wird Knochensubstanz immer wieder auf- und abgebaut. Dieser Vorgang wird von Hormonen gesteuert. Eines dieser Hormone ist das Parathormon. Sinkt der Kalziumspiegel im Blut ab, regt das Parathormon die Osteoklasten an. Diese Gegenspieler der knochenbildenden Osteoblasten lösen Kalzium aus den Knochen, damit der Kalziumblutspiegel wieder ansteigt. Das Hormon Kalzitonin bremst dagegen die Tätigkeit der Osteoklasten. So wird ein übermäßiger Knochenabbau verhindert.
Bei Kindern und Jugendlichen wirken sich vor allem genetische Veranlagung, Kalzium, Vitamin-D und körperliche Belastungen auf das Knochenwachstum aus. Mit Beginn der Pubertät übernehmen die Sexualhormone die wichtigste Rolle für den Knochenstoffwechsel. Dann sorgen Östrogene bei der Frau und Testosterone beim Mann für die nötige Knochendichte. Da ein Knochen, der nicht belastet wird, ebenso wie ein Muskel abbaut, ist die wichtigste Maßnahme zur Erhaltung eines stabilen und flexiblen Gerüsts die körperliche Betätigung die Knochen sind eben keine starren Gebilde und wollen bewegt werden.
Zurück





