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31.07.2010
Aktuelle Ausgabe
aktiv laufen 4-2010
Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel, es weht eine sanfte Brise. Im Sommer macht das Laufen eigentlich doppelt Spaß. Aber Hitze und Sonne können auch Probleme bereiten. Trinke ich genug? Trage ich die optimale Laufkleidung? In der neuen aktiv laufen erfahren Sie alles, was Sie über Training, Ernährung und Bekleidung bei Hitze wissen sollten.
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RATGEBER

So läuft´s richtig gut: Wie Muskeln den Läufer antreiben

"Meine Wade zwickt, "Der Oberschenkel macht zu", "Ich habe einen Krampf". Bestimmt haben Sie schon einmal einen dieser Sätze irgendwo auf der Laufstrecke aufgeschnappt oder sogar selbst ausgesprochen. Ursache all dieser Beschwerden sind Probleme mit der Muskulatur, die meistens auf eine Nährstoff-Unterversorgung oder eine Überforderung zurückzuführen sind. Bei einem ausgewogenen Training spüren Sie Ihre Muskeln normalerweise gar nicht obwohl diese gerade Schwerstarbeit verrichten.

650 aktive Muskeln
Je nachdem, welches Muster es unter dem Mikroskop aufweist, unterscheidet man beim Menschen drei verschiedene Typen von Muskelgewebe: Die glatte Muskulatur der inneren Organe zum Beispiel der Gallenblase, des Magens oder Darms und die quergestreifte Herzmuskulatur können nicht bewusst gesteuert werden. Dagegen kann die quergestreifte Skelettmuskulatur willentlich aktiviert werden. Dies geschieht durch einen Befehl, der vom Gehirn über ein Netzwerk von Nervenbahnen an die entsprechenden Muskeln gesendet wird. Ein Paradebeispiel ist die Aufforderung Lauf los! Ohne die über 650 Muskeln unseres Körpers wäre eine Bewegung der Knochen und Gelenke (Skelettsystem = passiver Bewegungsapparat) nicht möglich, deshalb bezeichnet man die Skelettmuskulatur auch als aktiven Teil des Bewegungsapparates.
 

Beim Lauftraining verrichtet ein Großteil der 650 Muskeln in Ihrem Körper Schwerstarbeit


Spieler und Gegenspieler
Damit der Zug der Muskeln auf die Knochen übertragen werden kann, sind die fleischigen Muskelbäuche jeweils durch schmale Sehnen am Skelett befestigt. Die körpernahe (proximale) Muskel-Knochen-Verbindung wird als Ursprung, die körperferne (distale) als Ansatz bezeichnet. Bekommt der Muskel von oben die Anweisung, sich zusammen zu ziehen (Kontraktion), bewegen sich die beiden Knochen, an denen der Muskel befestigt ist, aufeinander zu. Für den ersten Schritt eines Marathons bedeutet dies zum Beispiel, dass sich der große vordere Oberschenkelmuskel (Musculus quadrizeps), dessen Sehne sich über die Kniescheibe hinweg zum Unterschenkel zieht, kontrahiert. Hierdurch wird der Unterschenkel nach vorne gezogen und das entsprechende Bein streckt sich. An einer solchen Bewegung sind mehrere Muskeln beteiligt. Zusammen mit dem Hauptmuskel (Agonist) heißen diese Muskeln dann Synergisten. Aber auch die der entsprechenden Bewegung entgegenwirkenden Muskeln sind wichtig, da diese Gegenspieler (Antagonisten) durch die Minderung ihrer Spannung erst die flüssige Ausführung der beabsichtigten Bewegung ermöglichen. Durch ein ungleiches Kräfteverhältnis zwischen Agonist und Antagonist kommt es zu einer muskulären Dysbalance, die eine Fehlhaltung, gestörte Bewegungsabläufe und sogar Schmerzen im Bereich der Sehnen und Gelenke verursachen kann. Deshalb ist ein ausgewogenes Training der Muskulatur auch für Läufer sehr wichtig.

Fleißige Fäden
Um die Funktionsweise eines Muskels zu verstehen, muss man ihn in seine kleinsten Bestandteile zerlegen. Skelettmuskeln werden von bindegewebigen Fasern und elastischen Netzen umhüllt: der Muskelfaszie. Innerhalb dieser Faszie unterteilen weitere Bindegewebshüllen den Muskel in Faserbündel. Darin werden wiederum mehrere quergestreifte Muskelfasern zusammengefasst. Diese elementaren Bausteine des Skelettmuskelgewebes gehören mit einer Länge von bis zu 15 Zentimetern zu den größten Zellen des Menschen. Den größten Volumenanteil der Muskelfaser nehmen dabei die kontraktilen Elemente, die Myofibrillen ein. Dabei handelt es sich um fadenförmige Strukturen, die die Muskelfaser in Längsrichtung parallel durchziehen. Die Myofibrillen bestehen aus einer langen Kette von zwei einander abwechselnden Strukturen, den dünnen (Myosin) und den dicken (Aktin) Myofilamenten. Diese beiden Eiweiße ermöglichen schließlich die Muskelkontraktion, da sich die Muskelfasern durch das Ineinandergleiten der Aktin- und Myosinfilamente zusammen ziehen und damit verkürzen können. So können sich gedehnte Muskelfasern um bis zu 50 Prozent ihrer Ausgangslänge kontrahieren.

Kein starres Konstrukt
Ebenso, wie sich auch der Herzmuskel einer verstärkten funktionellen Belastung im Sinne eines regelmäßigen und intensiven Ausdauertrainings anpasst (Sportlerherz) und durch eine Größenzunahme ökonomischer arbeitet, reagiert auch die Skelettmuskulatur auf äußere Reize: Werden die Muskeln über einen längeren Zeitraum nicht trainiert oder ruhig gestellt (Gipsschiene, Bettlägerigkeit), verkümmern sie (Atrophie) und verlieren an Kraft. Andererseits können durch ein gezieltes sportliches Training Muskeln aufgebaut werden. So ist es möglich, die Gesamtmasse der Muskulatur von etwa 40 Prozent des Körpergewichts eines Untrainierten auf bis zu 65 Prozent zu steigern. Diese extreme Muskelhypertrophie betrifft aber vorwiegend Kraftsportler für Ausdauersportler ist sie ein weniger erstrebenswertes Ziel. Schließlich müssen Sie jedes Gramm mehr am Körper Schritt für Schritt mit sich herum tragen.
Aber auch beim Läufer kommt es durch ein regelmäßiges Training zum Aufbau von Muskulatur, vor allem an den Beinen. Dieser Prozess erklärt sich einerseits durch die Zunahme des Volumens der einzelnen Muskelzellen (Hypertrophie), andererseits durch eine Vermehrung der Muskelfasern (Hyperplasie oder numerische Hypertrophie) und stellt eine äußerst effektive Anpassung des Organismus auf die immer wiederkehrende Belastung dar denn nur eine ausreichend ausgebildete Muskulatur kann Sie nach 42,195 Kilometern gesund ins Ziel bringen.

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